Slow Food wurde 1986 vom Food-Aktivisten Carlo Petrini als "önogastronomischer" (Wein und Essen) Verein in der norditalienischen Kleinstadt Bra gegründet. Slow Food zählt heute 85.000 weltweit vernetzte Mitglieder in 132 Ländern, u.a. in Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien.

Aber Slow Food ist auch eine Idee - oder besser: eine ganze Sammlung von Ideen. Allem zugrunde liegt die Überzeugung, dass das Essen ein wesentlicher Bestandteil des Lebens ist und dass die Lebensqualität unweigerlich mit einer gesunden, guten und abwechlungsreichen Ernährung zusammenhängt. Im Gegensatz dazu steht Fastfood für Mahlzeiten, die zum schnellen Verzehr gedacht sind und deren einzige Vorteile darin liegen, dass man sofort weiß, was man isst und dass die Mahlzeiten günstig sind.

Slow Food dagegen bedeutet, der Ernährung die ihr zustehende Bedeutung beizumessen und die zahlreichen Rezepte und Geschmacksnuancen schätzen zu lernen, die Herkunft und die Hersteller der Produkte zu kennen und den Rhythmus der Jahreszeiten sowie die Bedeutung der verschiedenen Essrituale zu respektieren. Nach all den Jahren der Unsicherheit und des Laisser-faire gegenüber dem Gesetz des beiderseitigen Profits, das sowohl auf der Seite der Produzenten als auch der Konsumenten vorherrscht hat und sich auf die Formel "niedrige Kosten, minderwertige Qualität" reduzieren ließe, können wir dem Klima, in dem wir leben, und der Entwicklungsgeschichte der Nahrungsmittel, die hinter uns liegt, nicht mit dem üblichem Optimismus und ein paar Beschwörungsformeln begegnen. Um wirkungsvoll dem gastronomischen Mißstand des XXI. Jahrhunderts zu begegnen, müssen wir einerseits Verantwortung gegenüber der Zukunft übernehmen und andererseits unser Erbe retten. Wir müssen zur Artenvielfalt, zu unserer Geschichte und unseren kreativen Fähigkeiten Sorge tragen und uns gleichzeitig dem Prinzip des Genusses öffnen, das unentbehrlich ist zur Umsetzung der Strategien, die wir Stück für Stück entwickeln müssen.  Wenn wir in einem Atemzug von Verantwortung und Genuss sprechen, werden wir vielleicht nicht sofort verstanden, doch sicher wohlwollend angehört.

Aus dem Vorwort zu Carlo Petrinis Buch
SLOW FOOD Geniessen mit Verstand

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